Monatsgedanke September

Es ist September – ein besonderer Monat, wie ich finde. Ein Übergangsmonat, der nirgendwo so richtig dazugehört: Es ist nicht mehr richtig Sommer, aber auch noch nicht Herbst. Es kann zwar noch angenehm warm sein, aber die große Hitze ist vorbei. Der Garten gibt noch manches an Früchten und Gemüse her, aber viele Sommerblumen sind schon fast verblüht.

Manche nennen den September den „Altweibersommer“. Und das hat nichts mit alten Frauen zu tun! „Weiben“ meint im Althochdeutschen „Weben“ oder auch „Spinnweben“. Und weil diese Spinnweben im Spätsommer sichtbar werden, wenn die Luft feuchter wird und sich an den Fäden absetzt, deshalb hat dieses Phänomen es zum Namen einer Jahreszeit gebracht.

Das Besondere an diesen Spinnweben ist: Sie waren in den letzten Wochen auch schon da. Aber wir sehen sie erst jetzt.

Mir gefällt dieses Naturschauspiel immer wieder neu. Wie zart die Fäden sind – und trotzdem sind sie die geniale Jagdmethode der Spinnen. Wie fein die Wassertropfen sind – und trotzdem schaffen sie es, aus einfachen Spinnweben ein glitzerndes Naturschauspiel zu machen.

Und diese Spinnweben sind auch ein Bild für etwas, was sich in mir ganz ähnlich abspielt:

Da entsteht etwas im Verborgenen, bleibt erst einmal unbemerkt und dann kommt es endlich zum Vorschein. Da reift in mir der Entschluss, etwas in meinem Leben zu verändern – bis ich endlich beschließe, es anzupacken. Da bereitet Gott mich vor auf eine Veränderung, die auf mich zukommt. Und wenn es dann soweit ist, merke ich: Er hat alles von langer Hand vorbereitet. Da beschäftigt mich ein Impuls aus einer Predigt, ein Liedtext, ein Gespräch – und dann wird daraus eine Entscheidung.

Gibt es solche Prozesse auch bei dir? Gibt es einen Wunsch, einen Gedanken, einen Impuls, der dich beschäftigt? Vielleicht schon über eine längere Zeit? Ist es vielleicht jetzt dran, aus diesem Gedanken eine Tat werden zu lassen? Eine Veränderung anzupacken? Eine Entscheidung zu treffen?

Jesaja schreibt: „Schaut nach vorne, denn ich will etwas Neues tun! Es hat schon begonnen, habt ihr es noch nicht gemerkt?“ (43,19, HfA)

Ich möchte mir von Gott die Augen öffnen lassen für das, was er gerade tut – in mir und in anderen. Damit ich den „Altweibersommer“ Gottes nicht verpasse.

Annette Eichholz

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