Monatsgedanke September

Irgendwie anders

 

Vor einigen Wochen las ich das Kinderbuch „Irgendwie Anders“ von Kathryn Cave. Es ist die Geschichte von Irgendwie Anders, der irgendwie anders ist. Deshalb lebt er auch auf einem hohen Berg, einsam und alleine und hat keinen einzigen Freund. Bis dann eines Tages das Seltsame Etwas vor seiner Tür steht und sagt er sei auch irgendwie anders. Aber Irgendwie Anders will ihm nicht glauben und verschließt seine Tür. Doch nach einigen Bemühungen und Reden entdecken die zwei, dass sie doch so manches gemeinsam haben und werden Freunde und eine neue andere Zeit bricht an.

Irgendwie anders – so beschreiben mir viele Frauen momentan ihre Gedanken in Bezug auf Alltag und Gemeindealltag. Es ist alles irgendwie anders geworden. Das Leben hat sich verändert. Die Arbeit hat sich verändert. Die einen haben sehr viel mehr Arbeit, andere sind ohne Arbeit. Urlaubsplanungen sind mit vielen Fragezeichen versehen. Keine Frauenfreizeit zu der ich mich anmelden kann oder will – denn es ist noch unsicher und anders. Einige Frauen fragen sich: Wie gehe ich mit meiner Einsamkeit um, wenn ich alleine wohne und dazu noch im Homeoffice bin? Oder andere fragen: Wie gehe ich damit um, dass mein Mann und Kinder alle immer zu Hause sind und mich fast in den Wahnsinn treiben und ich am Ende der Kräfte bin? Und der Gottesdienst – mein Ort zum Auftanken – findet vielleicht dann nur noch vor meinem PC statt. Die Geburtstagsfeier, das Treffen mit der Freundin, der Elternabend, die Gruppengymnastik – vieles ist anders geworden. Hinzu kommt, dass sich die Regeln immer mal ändern und manchmal keiner mehr weiß, was jetzt wo „erlaubt“ ist. Das kostet Kraft und Energie. Und dann ist da noch der Haushalt und die Aufgaben – aber diese irgendwie andere Zeit lähmt und verlangsamt. Es ist irgendwie anders und jede muss lernen erstmal mit ihrem neuen Alltag klar zu kommen.

Irgendwie anders ist auch der Gemeindealltag. Die Gemeinschaft findet auf Abstand statt, der Lobpreis nur im Herzen oder allein zu Hause, das Frauenfrühstück scheint momentan nicht so durchführbar, wie wir es kennen. Keine Umarmung, kein nahes Zusammenrücken, kein offenes Büffet. Meine Kleingruppe ist unsicher, was tun – da sind die einen, die ganz gelassen sind und die anderen, die voller Sorge und Angst jeden Kontakt scheuen. Und was macht diese irgendwie andere Zeit mit dem Glauben?

Auf der anderen Seite gibt es die Frauen, die Nähe nie so mochten und die sich über den Abstand freuen. Frauen, die noch nie gerne umarmt haben und auch nicht gerne dicht gedrängt am Büffet anstanden.  Die froh sind, dass alles ein wenig anders getaktet ist und der Kalender nicht so voller Aktivitäten ist. Da sind Frauen, deren innige Beziehung zu Gott nun auflebt, weil sie Zeit haben und keinen Termindruck mehr empfinden. Frauen, die froh sind, dass sie zu Hause bleiben dürfen und das Homeoffice erfunden wurde. Frauen, die es mögen, dass die Schule zu hat und die Kinder immer da sind. Frauen, die gerne alleine sind und die Ruhe genießen. Und Frauen, die diese Zeit voller Tatendrang waren und das komplette Zuhause neu gestaltet haben. Frauen, die endlich mal gekocht und gebacken haben, die Blumen eingepflanzt haben anstatt von einem Termin zu nächsten zu jagen.  Es ist vielleicht für viele seltsam dieses Etwas andere, aber manche mochten es.

Was tun in dieser irgendwie anderen Zeit, die Frauen ganz unterschiedlich erleben? Wir sind alle anders und das macht es manchmal gar nicht so einfach Dinge zu sortieren, da diese Zeit auch so unterschiedlich erlebt wird. Umso mehr freue ich, dass ich an vielen Stellen sehr gute Impulse entdeckt habe. Kreative neue Ideen sind entwickelt worden und die Technik ist ganz neu genutzt worden. Diese neue und andere Zeit fordert uns heraus und lässt uns auch in Bezug auf geistliche Fragen ganz neu nachdenken: Sollten oder müssen wir Gemeinschaft neu definieren? Was macht mein Glaube aus?  Wie können wir Nähe mit Mindestabstand entwickeln? Gibt es Lobpreis ohne Singen? Wie erleben wir Glauben im Alltag mit anderen?  Wie kann ich Menschen vom Glauben erzählen und wo können sie ihn dann erfahren?  Welche Alternativen gibt es zu den bekannten Formaten der Arbeit mit Frauen? Ein paar Vorschläge findest Du hier.

Ja, die Zeit ist irgendwie anders, aber eins ist nicht anders: Jesus ist da und er spricht dir zu: „Ich versichere euch: Ich bin immer bei euch bis ans Ende der Zeit.“ (Matthäus 28,20b).  Das ist eine wunderbare Zusage, in dessen Licht wir es wagen können diese irgendwie andere Zeit und die Fragen neu zu sortieren. Jesus weiß um jede von uns und auch um die Unterschiedlichkeiten. Und wir dürfen mit Mut und Zuversicht in diese irgendwie andere und neue Zeit gehen und uns von Gottes Geist inspirieren lassen, Dinge anders und neu zu gestalten.

Daniela Knauz

Photo by Dominik Vanyi on Unsplash

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