1. Oktober 2020 | Monatsgedanke

Monatsgedanke Oktober

Eine neue Zeitrechnung. So kommt es mir inzwischen vor. Die aktuelle Pandemie schafft eine neue Zeitrechnung. Es gibt die Zeit vor Corona und die danach. Natürlich gibt es auch die Zeit während Corona. Doch weil die schon so lange dauert, sehnen wir uns nach dem „danach“.

Immer häufiger begegnen mir nun Leute, die die Frage stellen: „Wird es hinterher wieder so sein wie vorher?“ Werden wir uns zum Beispiel wieder die Hand geben oder bleibt das insgesamt auf der Strecke? Da gibt es Leute, die das freuen würde. Und welche, die es heute schon sehr vermissen, vor allem in bestimmten beruflichen Situationen. Weil es so unhöflich wirkt. Gleichzeitig besteht aber bei vielen eine Vorfreude auf die – vor allem – zwischenmenschlichen Rituale, die es hoffentlich „nach Corona“ wieder geben wird: Umarmungen, gemeinsames Ausgehen, Feiern in großen Gruppen.

Jetzt ist Herbst, es wird kühler, viele der Schutzmaßnahmen, die im Sommer einfach umzusetzen waren, stellen uns vor Herausforderungen. Unsicherheit macht sich breit – können wir auch in geschlossenen Räumen uns mit Freunden treffen? Wie werden wir Weihnachten feiern können? Was ist sinnvoll, was ist sicher?

Eine neue Zeitrechnung. Dies kann auch eine sehr persönliche sein. Dann wird die eigene Lebenszeit unterteilt in die vor, vielleicht während und nach einem einschneidenden Ereignis, Erlebnis. Die Geburt eines Kindes kann ebenso zum Bezugspunkt werden wie der Tod eines engen Angehörigen oder Freundes, eine Erkrankung, ein Umzug.

Die Gemeinsamkeit dieser Zeitrechnungen, der schon fast globalen und der individuellen, ist die Veränderung. Positive oder auch negative Veränderung. Manches kann nach einer gewissen Zeit wieder so sein wie vorher, aber das Leben insgesamt hat sich verändert.

Eine neue Zeitrechnung. International wird überwiegend die christliche Zeitrechnung (abgeleitet vom gregorianischen Kalender) genutzt.

Der Bezugspunkt dieser Zeitrechnung ist Jesus Christus, das vermutete Jahr seiner Geburt. Wir teilen unsere Zeit auf in die vor und nach seiner Geburt. Dieses Ereignis hat die Welt von Grund auf verändert. Gott selbst ist zu uns, den Menschen gekommen. Nicht wie ein Virus, der alles lahmlegt und Beziehungen erschwert, sondern als jemand, der Beziehung erst möglich macht: Beziehung zu Ihm, Beziehung zum anderen, Beziehung zu mir selbst, liebevolle Beziehung. Als jemand, der uns Sinn und Sicherheit bietet für unser Leben: ein Leben, das sich nicht mehr um einen selbst dreht und sich getragen und geborgen weiß in aller Unsicherheit, auch in einer Pandemie.

Ich wünsche uns, dass diese gemeinhin genutzte Zeitrechnung für uns eine sehr persönliche wird: dass wir unser Leben unterteilen können in die Zeit vor der Begegnung mit Jesus Christus und danach. Weil sich unser Leben durch diese Begegnung und Beziehung grundlegend verändert hat und weiter verändert! Der Apostel Paulus beschrieb das in seinem Brief an die Korinther so (2Kor5,17): Gehört also jemand zu Christus, dann ist er ein neuer Mensch. Was vorher war, ist vergangen, etwas völlig Neues hat begonnen.

Und das ist nachhaltiger als jede Veränderung in einer Pandemie.

Anke Weiß