Monatsgedanke März

In diesem Jahr fällt der März komplett in die Fastenzeit – die Zeit zwischen Karneval und Ostern. Fasten, das war ein fast vergessener Brauch, nur noch von Katholiken durchgeführt, und das auch oft nur noch freitags. Doch hat es ein Revival erlebt: es ist „in“, zu fasten, überall hört man davon, dass Leute in der Fastenzeit versuchen wollen zu verzichten. Nicht auf Fleisch (zumindest nicht hauptsächlich), nicht mal unbedingt auf bestimmte Ernährungs- oder Trinkgewohnheiten (wie Süßigkeiten, Knabbereien, Alkohol), sondern überhaupt auf liebgewonnene Gewohnheiten – Medien wie Fernsehen, Computer oder Smartphone werden immer wieder genannt. Dabei wird Fasten zu einem Versuch, in dem ich ausprobiere, ob ich es schaffe auf etwas zu verzichten. Losgelöst von jeglicher spiritueller Bedeutung, zumindest in der Regel.

Ich gebe zu, auch ich übe diesen Brauch inzwischen seit einigen Jahren. Es ist sinnvoll zu überprüfen, was mich bindet. Doch dann fällt mir Gottes Wort aus Jesaja 58 ein: „Darauf sage ich, der Herr: Seht doch, was ihr an euren Fasttagen tut! Ihr geht euren Geschäften nach und beutet eure Arbeiter aus. Ihr fastet zwar, aber ihr seid zugleich streitsüchtig und schlagt sofort mit der Faust drein. (…) Nennt ihr das ein Fasten, das mir gefällt? Nein, ein Fasten, wie ich es haben will, sieht anders aus! Löst die Fesseln der Gefangenen, nehmt das drückende Joch von ihrem Hals, gebt den Misshandelten die Freiheit und macht jeder Unterdrückung ein Ende! Ladet die Hungernden an euren Tisch, nehmt die Obdachlosen in euer Haus auf, gebt denen, die in Lumpen herumlaufen, etwas zum Anziehen und helft allen in eurem Volk, die Hilfe brauchen!“

Mit dieser Aufforderung kommen wir der Fastenaktion „7 Wochen ohne“ näher, die dazu auffordert, bestimmte Verhaltensweisen abzulegen oder einzuüben. Gut, darüber nachzudenken. Doch kann ich mein Verhalten in sieben Wochen ändern? Die Hirnforschung sagt Nein. Zumindest dann nicht, wenn das Verhalten schon länger als sieben Wochen besteht 😉 Die Bibel sagt ebenfalls Nein. Wir können unser Verhalten nicht ändern, Paulus drückt es sehr plastisch aus: „Wir bringen es zwar fertig, uns das Gute vorzunehmen; aber wir sind zu schwach, es auszuführen. Wir tun nicht das Gute, das wir wollen, sondern gerade das Böse, das wir nicht wollen.“ (Röm. 7). Aber er nennt auch die Antwort, wie wir zu dauerhafter Verhaltensänderung kommen: „Ich unglückseliger Mensch! Wer rettet mich aus dieser tödlichen Verstrickung? Gott sei gedankt durch Jesus Christus, unseren Herrn: Er hat es getan!“ (ebd.) Dauerhafte Verhaltensänderung, dauerhaftes Loslassen unguter Bindungen kann nur in der Nähe Gottes gelingen, wenn wir die „Lücke“, die entsteht, von ihm füllen lassen. Wenn er uns in seiner Liebe deutlich macht, dass diese Verhaltensweisen oder Gewohnheiten überflüssig oder ungut sind. Einer meiner Lieblingsverse in der Bibel stammt ebenfalls von Paulus, aus dem Brief an die Epheser (2,10): „Wir sind ganz und gar Gottes Werk. Durch Jesus Christus hat er uns so geschaffen, dass wir nun Gutes tun können. Er hat sogar unsere guten Taten im Voraus geschaffen, damit sie nun in unserem Leben Wirklichkeit werden.“

Und damit sind wir bei der ursprünglichen Bedeutung der Fastenzeit. Es ging nicht darum, um des Verzichts willen zu verzichten, es ging darum, in der Zeit des Verzichts (früher waren es vor allem Mahlzeiten) an die Passion Jesu zu denken, also an seine letzten Wochen und Tage vor der Kreuzigung. Und dort hat er es möglich gemacht, dass mein Gebundensein gelöst werden kann!

Dies ermöglicht mir, anders mit mir und meinen Mitmenschen umzugehen. Zu verzichten, wo es notwendig oder sinnvoll ist, doch nicht in erster Linie für mich, wie es heute häufig die Motivation ist, sondern für den anderen. Wie kann ich durch sinnvollen Verzicht Unterdrückung verringern, Freiheit schenken, Hunger lindern? Vielleicht ist das eine Frage, die wir in der diesjährigen Fastenzeit für uns beantworten können, um uns dann dauerhaft dahin von Jesus verändern zu lassen. (Beispiele könnten sein: -> ein Veggie-Day pro Woche ->Fahrrad und Bahn den Vorzug vor Auto und Flugzeug geben -> Kleidung kaufen, die unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt wird -> möglichst fair hergestelltes Smartphone statt dem neuesten Marktführer -> …)

Jesaja schließt seine Kritik und Aufforderung zur veränderten Einstellung mit Gottes Zusage ab: „Wenn ihr aufhört, andere zu unterdrücken, mit dem Finger spöttisch auf sie zu zeigen und schlecht über sie zu reden, wenn ihr den Hungernden zu essen gebt und euch den Notleidenden zuwendet, dann wird eure Dunkelheit hell werden, rings um euch her wird das Licht strahlen wie am Mittag. Ich, der Herr, werde euch immer und überall führen!“ Es wäre schön, wenn unser Fasten dazu führt, dass es hell wird um uns herum!

Anke Weiß

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