Monatsgedanke Juni 2020

Es ist ein sonniger Nachmittag im April. Mein Mann und ich sitzen auf einer Bank, genießen die Wärme und freuen uns, dass die Corona-Regelungen uns das erlauben.

Auf der Bank neben uns sitzen zwei Frauen, die sich über die aktuelle Lage unterhalten. Corona ist in aller Munde…

Die eine der beiden spricht so laut, dass wir ihr zuhören müssen, ob wir wollen oder nicht. Ihre Ansichten sind sehr speziell, wir schwanken zwischen Belustigung und Ärger. Und dann staunen wir nicht schlecht, als sie sagt: „Aber ich glaube, dass es da noch jemanden über uns gibt, der…“ – na ja, was dann folgt, entspricht nicht grade unserer Vorstellung davon, wie Gott die Pandemie, die gesamte Welt und unser persönliches Leben in der Hand hält. Aber immerhin: Sie hat sich zu dem bekannt, was sie glaubt.

Deswegen fällt sie mir wieder ein, als ich einige Tage später in 1. Petrus 3,15 lese „Seid immer bereit, Rede und Antwort zu stehen, wenn jemand fragt, warum ihr so von Hoffnung erfüllt seid.“ Ich frage mich, ob die Frau auf der Parkbank mir ein Vorbild sein könnte. Denn scheinbar hat sie das getan, um was es in dem Bibelvers geht: Sie hat einen Glauben und eine Hoffnung. Dazu hat sie sich mit einem bemerkenswerten „missionarischen“ Eifer bekannt.

Je länger ich allerdings über den Vers nachdenke, desto mehr merke ich: Ich möchte es doch nicht so machen wie sie. Denn hier steht nicht: „Habt auf alle Fragen eine Antwort. Und verwickelt eure Mitmenschen in ein Gespräch über das, was ihr ihnen sagen wollt.“

Nein, es geht gerade nicht um einfache Antworten. Die sind zwar beliebt und verbreiten sich im Moment mit bestürzender Schnelligkeit. Mir sind sie suspekt. Denn viele unserer aktuellen Probleme sind komplex und werfen mehr Fragen auf, als sie beantworten. Das muss und will ich aushalten.

Es geht in diesem Vers um meine persönliche Hoffnung. Hoffnung trotz offener Fragen. Hoffnung trotz einer ungewissen Zukunft. Sie soll durch meinen Lebensstil sichtbar werden – und meine Mitmenschen ins Fragen bringen.

So wird mir der Bibelvers zur Anfrage: Was hoffe ich in der augenblicklichen Situation? Für mich persönlich, für meine Familie, meinen Beruf, für meine Gemeinde, unser Land, die Welt? Bin ich ganz sicher, dass Gott die Pandemie, ihre Auswirkungen und meine persönliche Zukunft in seiner Hand hat?

Prägt diese Hoffnung mein Verhalten? Meine Entscheidungen? Meine Erwartungen für die Zukunft? Und wie kann ich diese Hoffnung formulieren, wenn ich gefragt werde?

Diesen Fragen möchte ich mich immer wieder einmal stellen. Worte suchen, die meine Gedanken und meine Hoffnung erklären können. Und dabei darauf vertrauen, dass Gott mich im entscheidenden Moment sprachfähig machen wird. So, wie er es Mose versprochen hat: „Also geh jetzt. Ich werde dir sagen, was du reden sollst.“ (2.Mose 4,12)

Wir Jesus-Nachfolger müssen nicht alle Antworten kennen, denn wir kennen den, der alles in seiner Hand hat. Das ist genug. Er ist genug.

Annette Eichholz

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