1. Januar 2021 | Monatsgedanke

Monatsgedanke Januar 2021

Vor einigen Jahren war ich Anfang Januar mit meinem Mann in Finnland. An einem Nachmittag waren wir mit unseren finnischen Freunden auf dem Weg in eine abgelegene Hütte –  irgendwo im Nirgendwo. Die wenigen Stunden mit dämmrigem Tageslicht waren bereits um und die Dunkelheit verwandelte den Wald rechts und links von uns in eine undurchdringbare Wand. Nur die Scheinwerfer unseres Autos verdrängten ein paar Meter weit die unheimliche Schwärze. Doch dieses wenige Licht reichte aus, um Stadtkinder in Staunen zu versetzen. Denn wo immer der Lichtschein auf die dicke unberührte Schneedecke traf, verwandelte er den Schnee in Millionen von funkelnden Diamanten. Glitzernd und strahlend säumten sie unseren Weg. Wie ein kostbarer Teppich wurde die Pracht vor uns ausgerollt und verschwand nach uns wieder in der Dunkelheit. Fast so, als wenn ein König etwas von seinem Reichtum verloren hätte, begleitete uns dieser Schatz bis zu unserem Ziel. Diesen Anblick werde ich wohl nie wieder vergessen.

Wenn ich an das vor mir liegende Jahr denke, dann kommt mir genau dieses Bild von damals wieder in den Sinn. Mein ganzes Jahr 2021 scheint sich in Dunkelheit zu hüllen. Wir wollten längst unseren Urlaub ans Meer planen. Doch darf man in den Osterferien schon wieder verreisen? Und wie sinnvoll ist der Urlaub in den Sommerferien? Bestimmt tummeln sich dann wieder viel zu viele an unseren Ost- und Nordseestränden. Können wir den 40zigsten Geburtstag meines Mannes feiern? Oder fällt der auch aus wie so viele im letzten Jahr. Wir wissen im Moment ja noch nicht einmal, ob am 10. Januar unsere Kinder wieder zur Schule können. Und wenn ja, welchen Stundenplan sie dann haben werden. So viel Ungeplantes ist für mich strukturierten Menschen nicht ganz so leicht auszuhalten. Es nimmt mir Sicherheit.

Doch bei unserem Finnland-Trip gab es noch etwas neben der Dunkelheit: die Auto-Scheinwerfer. Ein paar Meter weit spendeten sie Licht. Gerade so viel Licht, dass wir den Weg fanden. Gerade so viel Licht, dass wir eine atemberaubende Schneelandschaft sahen.

König David bezeichnet in der Bibel einmal Gott als sein Licht, das seine Finsternis hell macht. „HERR, du machst die Finsternis um mich hell, du bist mein Licht.“ 2. Samuel 22,29

Da frage ich mich, ob dieses Licht nicht auch für mein Jahr 2021 ausreichen könnte? Vielleicht muss ich gar nicht das ganze Jahr schon durchgeplant haben. Vielleicht reicht es, die paar Tage zu kennen, die vom Lichtstrahl schon erleuchtet sind. Ja mehr noch. Vielleicht kann ich so viel mehr die tausend kleinen und großen Wunder sehen, die meinen Weg säumen. Kann die Schönheit der einzelnen Tage wahrnehmen und jede kleine Begegnung viel mehr genießen. Kleinigkeiten könnten mir zu wertvollen Diamanten werden.

Das möchte ich ausprobieren! Jesus soll in diesem Jahr mein Lichtstrahl sein. Ich möchte so weit vorplanen, wie er mir Licht ins Dunkel schenkt. Und ich will viel bewusster die Tage leben, um die Diamanten am Wegrand nicht zu übersehen.

Kathrin Gottschick