Monatsgedanke August

Herzabdrücke

Ich lese sehr gerne, und ungewohnte Wörter lassen mich aufhorchen und machen mich neugierig. Vor einiger Zeit entdeckte ich in einem kleinen Buch die Überschrift „Herzabdruck“ und blieb sofort gedanklich hängen: Was für ein schönes Wort! Dass Menschen Fingerabdrücke hinterlassen, wenn sie etwas anfassen, ist ja bekannt.

Aber was könnte sich hinter einem „Herzabdruck“ verbergen?

Welche Ereignisse oder Begegnungen prägen mich nachhaltig, zaubern vielleicht ein Staunen oder ein Lächeln in mein Gesicht, selbst wenn sie schon eine Weile vorbei sind?

Ich beginne nachzudenken. Der letzte Herzabdruck ist noch ganz frisch. Vor ungefähr drei Stunden bekam ich die WhatsApp einer Freundin, die einen Termin in Wuppertal hatte und dank leerer Autobahn 15 Minuten Zeit erübrigen konnte. Die Nachricht lautete: „Bist du da? 1x drücken? Jetzt?“  Die Umarmung und das kurze Gespräch haben uns beiden gutgetan.

Eine andere Frau hat einen Herzabdruck bei mir hinterlassen, obwohl wir uns nicht persönlich begegnet sind. Am Wochenende habe ich eine Jacke in einem Tagungshaus vergessen – 200km entfernt. Ich rief dort an, entschuldigte mich für meine Vergesslichkeit und bat, mir die Jacke zuzuschicken. Für alle Beteiligten etwas lästig… Aber die Mitarbeiterin am Telefon war überaus freundlich und hilfsbereit. Es klang, als sei es für sie eine Freude, mir helfen zu können.

Die Liebe meiner Enkelkinder hinterlässt immer wieder besondere Herzabdrücke, auch wenn sie sich manchmal nur indirekt äußert: Mein vierjähriger Enkel beschwert sich lautstark bei seiner Mama, dass er am vergangenen Wochenende nur zweimal bei Oma übernachten durfte und sein dreijähriger Cousin diese Woche sogar dreimal! Mir wird es warm ums Herz. Was für ein Geschenk, dass sie so gerne bei uns sind…

Eine Freundin, die leider schon vor zehn Jahren gestorben ist, hat mehrere tiefe Herzabdrücke hinterlassen. Ich habe Gott lange bestürmt, sie gesund zu machen. Nur wenige Tage vor ihrem Tod habe ich aufgehört dafür zu beten, als ich mitbekam, dass sie tiefen Frieden hatte und eine große Vorfreude darauf, bald bei Jesus zu sein. Ich habe begriffen, dass man zutiefst „heil“ sein kann, ohne gesund zu werden. Und ich empfinde es seitdem nicht als Last, sondern als Geschenk, älter werden zu dürfen. In den letzten Jahren ist ganz häufig der erste Gedanke nach dem Aufwachen ein Gebet: „Danke, dass ich heute leben darf“.

Ich danke Gott für Menschen, die Segensspuren in meinem Leben hinterlassen und freue mich, wenn auch mein Herz für Menschen „Abdrücke“ bei ihnen hinterlässt.

Brigitte Strauch

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