Monatsgedanke April

Es ist Samstag Nachmittag. Ich laufe durch den Frankfurter Hauptbahnhof, auf dem Rückweg von einer Sitzung des Arbeitskreises, der den Tag für Frauen im nächsten Mai vorbereitet. Kostbar“ – so wird das Thema des Tages lauten. Wir haben darüber nachgedacht, was im Leben von Jesus-Nachfolgerinnen wertvoll ist – oder wertvoll sein soll.

Und dann steht sie plötzlich vor mir: Eine Frau, kleiner als ich (und das ist etwas Besonderes bei meinen mageren 160 cm Körpergröße).

Aber sie ist nicht nur äußerlich klein, sie ist auch ganz offensichtlich arm, krank, vielleicht spielt der Alkohol eine zu große Rolle in ihrem Leben. Sie sieht mich an und fragt, ob ich ihr etwas zu essen kaufen kann. Das mache ich eigentlich gerne. Aber für ihr Wunschmenü vom Schnellrestaurant mit dem großen M reichen die sechs Minuten bis zur Abfahrt meines Zuges definitiv nicht aus. Als sie begreift, dass daraus nichts wird, möchte sie nur noch ein Getränk. Das ist schnell gekauft, die 2 Euro Rückgeld, um die sie mich bittet, schenke ich ihr – kann mir aber nicht verkneifen zu sagen „Bitte kaufen Sie davon keinen Alkohol. Versprochen?“

Als ich dann im Zug sitze, denke ich nochmal über die Begegnung nach. Diese kleine, arme Frau. Mitten im Hauptbahnhof in der Stadt der Banken, der Reichen, der Flugreisenden. Mitten unter den Menschen mit Koffern, Aktentaschen, Handys, die selbstbewusst zeigen, dass sie wichtig sind. Die ihren Wert kennen. – Na ja, kennen sie ihn wirklich? Kennen sie den, der sie geschaffen hat und dem sie wertvoll sind? Und die kleine Frau, die jetzt mit einer Getränkeflasche ausgerüstet weiter nach jemandem sucht, der ihr die ersehnten Chicken-Nuggets kauft? Wer sagt ihr, dass sie in den Augen ihres Schöpfers keinen geringeren Wert hat als die smarten Herren im Maßanzug? Hätte ich ihr mehr geben können und sollen als einen halben Liter Wasser in einer Plastikflasche? Wenn ja, dann ist mir das leider nicht gelungen.

Aber sie hat mir einen Moment gegeben, in dem das „Kostbar“-Thema für mich eine neue Dimension bekam: Ich nehme mir (wieder einmal) vor, dass ich die Menschen mit Gottes Augen ansehen möchte. Als seine Geschöpfe, jedes einzigartig und kostbar.

Warum erzähle ich dir das alles? Weil ich dich daran erinnern möchte, dass auch für dich gilt:

Du hast mich geschaffen mit Leib und Geist, mich zusammengefügt im Schoß meiner Mutter. Dafür danke ich dir, es erfüllt mich mit Ehrfurcht. An mir selber erkenne ich: Alle deine Taten sind Wunder!

Psalm 139,13+14

Ich möchte dich herausfordern, dich selbst so zu sehen. Und auch jeden Menschen, der dir heute begegnet. Jeder ist einzigartig und kostbar in Gottes Augen. Ein Wunder. Maßanzug oder abgewetzte Jeans, das ist nur die Verpackung. Der Inhalt zählt, der Mensch, der darin steckt. Du zählst! Weil du Gottes Geschöpf bist. Wertvoll in seinen Augen – kostbar!

Annette Eichholz

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