Monatsgedanke April 2020

Wackelbilder

Seit einer Woche mahnt mich mein Terminkalender: „Artikel für die Homepage schreiben“. Ich bin ziemlich ratlos. Was kann ich in diesen Zeiten schreiben, was nicht schon längst hundertfach gesagt oder geschrieben worden ist? Wie viele Nachrichten habe ich geschaut, Artikel gelesen, Erfahrungsberichten gelauscht. Aber auch Andachten gehört, Gottesdienste im Livestream verfolgt, Einladungen zu mutmachenden Aktionen bekommen: Einen Regenbogen malen, zu bestimmten Zeiten beten, singen, klatschen, ein Instrument spielen, eine Kerze anzünden…

Ich bin regelrecht „seelenmüde“. Es ist so anstrengend, weil mein Blick ständig hin und herspringt zwischen angstmachenden Informationen und der Zuversicht, dass Jesus in allem mittendrin ist. Viele von euch kennen sehr wahrscheinlich Wackelbilder. Je nachdem, wie man sie hält oder darauf schaut, sieht man etwas anderes. Ja, mein Blick wackelt tatsächlich.

Vor ein paar Tagen kam leise die Erinnerung hoch an das Thema von Stillen Tagen in Gnadenthal: „Wir kommen, wohin wir schauen, und was wir im Auge haben, prägt uns“.

Brigitte, wo schaust du hin?

Schaue ich nur auf Corona – oder sehe ich auch die Krone, den Kranz? (lateinische Wortbedeutung von Corona). Wir leben auf Ostern hin. Ganz viele liebgewordene Traditionen werden wir in diesem Jahr nicht pflegen können. Aber deshalb fällt Ostern nicht aus, weil unser Herr, Jesus, nicht ausfällt! Und er trägt beide Kronen: Die dornenbesetzte Leidenskrone und die Krone des Auferstandenen, der alles Leid und den Tod überwunden hat.

Plötzlich ist sie da, meine Sehnsucht, mich nicht gefangen nehmen zu lassen von besorgniserregenden Nachrichten, sondern auf den zu schauen, der Petrus und seinen Freunden mitten im Sturm zugerufen hat: „Seid getrost, ich bin’s; fürchtet euch nicht! (Matthäus 14,27)

Diese Zusage Jesu „wackelt“ nicht. Sie gilt für alle Zeit und Ewigkeit. Aber wie wir oft schmerzlich erfahren, ist dieser Zuspruch der Gegenwart Jesu nicht zu verwechseln mit einem Versprechen, dass alles gut wird, uns nichts passieren wird. Auch Christen werden oder bleiben krank, verlieren liebe Menschen oder ihre Arbeit. Was ist dann der Segen dieses Zuspruchs? Ich kann das nur ganz persönlich beantworten. Vor einigen Jahren hat mich die Sorge um Familienangehörige fast krank gemacht. Ich fühlte mich wie am Rand einer Grube. Jeden Moment konnte ich hineinstürzen. Mein Pastor fragte mich damals: Wenn du in die Grube schaust – wohin fällst du? Und ich traute mich hinunterzublicken und sagte: Ich falle weich, ich falle in die Hand meines Herrn!

„WER JESUS FÜR MICH IST? EINER, DER FÜR MICH IST. WAS ICH VON JESUS HALTE? DASS ER MICH HÄLT.“ (Lothar Zenetti)

Brigitte Strauch

Neueste Beiträge
Schreiben Sie uns

Sie können uns gerne eine Nachricht schreiben, wir melden uns dann bei Ihnen.

Nicht lesbar? Text ändern. captcha txt