1. Juli 2026 | Monatsgedanke

Grün bleiben, wenn alles austrocknet 07/26

1. Juli 2026

Was Jeremia uns über Vertrauen in heißen Zeiten lehrt

An heißen Sommertagen merken wir schnell unsere Grenzen. Die Luft steht still, jede Bewegung fällt schwerer, und manchmal sehnen wir uns einfach nach Schatten und Erfrischung. Die Hitze zehrt an unseren Kräften. Blumen lassen die Köpfe hängen, Rasen wird braun, und selbst große Bäume kämpfen gegen Trockenheit.

Die Hitze der letzten Wochen hat mich an ein Wort aus Jeremia 17 erinnert. In Vers 8 lesen wir: „Diese Person ist wie ein Baum, der am Ufer gepflanzt ist. Ihre Wurzeln sind tief im Bachbett verankert: Selbst in glühender Hitze und monatelanger Trockenheit bleiben ihre Blätter grün.“

Wenn wir die ausgetrockneten Wiesen, die staubigen Wege und die unter der Sonne leidende Natur betrachten, erscheint dieses Bild fast unrealistisch. Wie kann ein Baum trotz wochenlanger Hitze grün bleiben? Wie kann er Trockenheit überstehen, während ringsherum alles unter Wassermangel leidet?

Das Geheimnis der Quelle

Das Geheimnis liegt nicht in seiner besonderen Stärke, sondern in seiner Quelle. Seine Wurzeln reichen tiefer als die sichtbare Oberfläche. Während andere Pflanzen nur von dem leben, was der letzte Regen hinterlassen hat, schöpft dieser Baum beständig aus dem Wasser, das unter der Erde fließt. Deshalb übersteht er Zeiten, die anderen die Kraft rauben.

Genau dieses Bild verwendet Jeremia für einen Menschen, der auf den Herrn vertraut. Auch wir erleben Zeiten, die sich wie eine geistliche oder emotionale Hitzewelle anfühlen. Sorgen um die Familie, gesundheitliche Herausforderungen, Einsamkeit, Konflikte, Druck im Beruf oder die Verantwortung für andere können unsere innere Kraft auf die Probe stellen. Manchmal scheinen die Belastungen kein Ende zu nehmen. Dann fragen wir uns: Wie soll ich das alles durchstehen? Woher nehme ich die Kraft für den nächsten Tag?

Jeremia macht deutlich: Ein Leben mit Gott bedeutet nicht, dass die Hitze ausbleibt. Der Baum wird derselben Sonne ausgesetzt wie alle anderen. Der Unterschied liegt nicht in den Umständen, sondern in der Verwurzelung. Wer sein Vertrauen auf Gott setzt, findet in ihm eine Quelle, die nicht versiegt. Gottes Nähe, seine Zusagen und seine Treue tragen auch dann, wenn die äußeren Umstände schwierig bleiben.

Jeremia wusste, wovon er schrieb

Besonders bemerkenswert ist, dass Jeremia diese Worte nicht aus einem sorgenfreien Leben herausschrieb. Er saß nicht unter einem schattigen Baum und dachte über Vertrauen nach. Sein eigenes Leben war von Ablehnung, Einsamkeit und großem Leid geprägt. Er wurde verspottet, bedroht, ins Gefängnis geworfen und sogar in eine schlammige Zisterne gesperrt. Immer wieder musste er erleben, dass die Menschen seine Botschaft nicht hören wollten. Jeremia wusste also sehr genau, wie sich die Hitze des Lebens anfühlt.

Und das gilt für uns heute

Gerade deshalb haben seine Worte ein besonderes Gewicht. Er schreibt nicht als Theoretiker, sondern als jemand, der selbst erfahren hat, dass Gottes Treue auch dann trägt, wenn die Umstände dunkel sind. Seine Botschaft lautet: Die entscheidende Frage ist nicht, ob Hitzezeiten kommen werden – sie kommen. Die entscheidende Frage ist, wo unsere Wurzeln verankert sind.

Dr. Daniela Knauz (Referentin für Frauen im Bund FeG)