1. Januar 2026 | Monatsgedanke

Alles neu – 01/26

1. Januar 2026

Januar – was liegt da näher als sich mit der aktuellen Jahreslosung zu beschäftigen? Oft begleiten diese Verse mich das ganze Jahr über und ich erinnere mich immer wieder an Zusagen oder Aufforderungen. Für 2026 wurde der Vers aus Offb 21, 5 ausgesucht: Siehe, ich mache alles neu.

Alles neu? Muss das sein: wirklich alles? Ich liebe meinen Bücherschrank, der schon bei meinen Großeltern stand. (Kirchen-)Geschichte finde ich faszinierend, und im Urlaub besichtige ich gerne Schlösser, Freilichtmuseen etc. Am Denkmaltag bin ich immer unterwegs und freue mich über gut erhaltene oder restaurierte alte Gebäude.

Natürlich freue ich mich auch über Neues. Insbesondere dann, wenn das Alte mir nicht gefällt, mich stört, vielleicht sogar zerstörerisch ist. Schlechte Angewohnheiten. Umweltverschmutzung und Klimawandel – da kann Neues gerne geschehen. Sozusagen noch mal auf Anfang. Und das Verhalten so mancher Machthaber und ihre Ideen zur Durchsetzung ihres Willens (egal auf welchem Kontinent und ob politische oder wirtschaftliche Macht) – Erneuerung wäre da schon prima.

Siehe, ich mache alles neu. Im Abschnitt davor wird berichtet, dass der erste Himmel und die erste Erde (also unser ganzes Universum) nicht mehr vorhanden sind und der Schreiber einen neuen Himmel und eine neue Erde sieht. Mit dem Wort „neu“ ist mehr gemeint als nur eine Rundumerneuerung. Es bedeutet auch neuartig, unbekannt, unbenutzt.

Ich denke, dem Schreiber der Offenbarung fehlten einfach die Möglichkeiten, mit bekannten Worten das auszudrücken, was Gott ihn hat sehen lassen. Er versucht es mit Bildern und dem Begriff „neu“.

Neuartig – das bedeutet jedoch: für uns nicht vorstellbar. Ganz anders als wir es uns auch nur ausmalen könnten.

Ein Freund hat einen schönen Vergleich genannt: 2019 wurde die Kirche Notre-Dame de Paris bei einem Dachstuhlbrand ziemlich zerstört. Am gleichen Abend noch versprach der französiche Präsident, dass die Kirche wieder aufgebaut wird. Seit gut einem Jahr sieht sie nun wieder – rekonstruiert – aus wie vorher. Neu und doch nicht verändert.

Um im Bild zu bleiben: selbst wenn die Franzosen sich geeinigt hätten, die Kirche neu zu bauen, und dafür einen Architekturwettbewerb ausgeschrieben hätten, wäre es eine Kirche geblieben. Neu, aber nicht neuartig, unbekannt. Der Zweck, die Funktionalität und die darauf abgestimmte Architektur wären wiederzuerkennen gewesen.

Gott macht alles neu! Obwohl wir uns nicht vorstellen können, wie das aussehen wird und was von dem, was uns heute so wichtig erscheint, nicht mehr benötigt wird, haben wir schon eine Anzahlung erhalten: In 2Kor 5, 17 steht, dass jede, die mit Christus verbunden ist, eine neue Schöpfung ist. Auch hier: neuartig, unbekannt, unbenutzt. Das, was wir früher waren, ist vergangen, Neuartiges ist entstanden.

Vielleicht können wir das nicht immer in und an unserem eigenen Leben erkennen, aber es ist eine Wahrheit, die Gott über Dich und mich ausspricht. Er hat uns neu gemacht, die alte Bestimmung ist nicht mehr existent. Er gestaltet das Neuartige und hat uns damit schon vorbereitet darauf, dass wir mit ihm in seiner neuen Welt leben dürfen. Und nicht nur das – wir dürfen das Neue, das so ganz andere auch in die jetzige, die alte Welt schon hineintragen. Wir dürfen ihr die Hoffnung und Liebe bringen, die sie nicht kennt.

Ich bin versöhnt mit der Jahreslosung 2026. Ich kann mich freuen an „Altem“, was mir gefällt, solange es noch da ist, und mich freuen darauf, dass Gott unvorstellbar Großartiges schaffen wird – zunächst in allen Menschen, die mit Christus verbunden sind, und dann allumfassend und darüber hinaus.

In diesem Sinne wünsche ich Euch ein Jahr, in dem Ihr viel von dem Neuen, das Gott macht, erleben dürft!

Anke Weiß (Mitglied im Arbeitskreis Frauen)